Ceylon-German-Technical Training Institute
Moratuwa / Sri Lanka

Entstehung der Partnerschaft

"Die Gewerbliche Schule Metzingen ist 1985 als erste berufliche Schule in Baden-Württemberg eine Partnerschaft mit einer beruflichen Schule in einem Entwicklungsland eingegangen. Mit dieser bis heute bestehenden Partnerschaft ist es der Gewerblichen Schule Metzingen in vorbildlicher Weise gelungen, wichtige Erfahrungen auszutauschen und Impulse für die eigene Arbeit zu erhalten."

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Mit diesen Worten eröffnete Kultusstaatssekretär Rudolf Köberle am 9. Februar 1994 die Wanderausstellung "Eine Welt - gemeinsames Risiko, gemeinsame Chance" in der Gewerblichen Schule und würdigte das Engagement der Schule als Pionierleistung im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit: "Gerade Schulpartnerschaften mit Entwicklungsländern zielen auf die Förderung der schulischen Entwicklung, die stärkere Ausprägung einer Solidarität der Partnerländer und auf die Förderung der kulturellen und völkerverbindenden Beziehungen".

Ausgangspunkt der Partnerschaft mit dem Ceylon-German Technical Training Institute (CGTTI) war ein Projekt der deutschen Entwicklungshilfe, an dem der spätere Schulleiter der Gewerblichen Schule Metzingen, Roland Kilgus, von 1970 bis 1976, zunächst als Theorielehrer und stellvertretender Projektleiter und ab 1973 als deutscher Projektleiter beteiligt war.

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Im Rahmen der Entwicklungshilfe begann die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1959 mit dem Aufbau einer Lehrwerkstatt für Kfz-Mechaniker mit integrierter Berufsschule in Werahera bei Colombo. Mitte 1974 bezog die Lehranstalt neue Gebäude in Moratuwa, einer Stadtrandgemeinde von Colombo. Roland Kilgus hat während seiner sechsjährigen Tätigkeit die Neukonzeption und den Umzug der Ausbildungsstätte nach Moratuwa verantwortlich geleitet. Er hat hier konsequent das Metzinger Lehrprinzip, das "Metzinger Modell", also eine produktionsorientierte Ausbildungsmethode auf die speziellen Verhältnisse eines Entwicklungslandes übertragen.

Lernpsychologische, arbeitsethische und ökonomische Gründe, die in einem Entwicklungsland einen besonderen Stellenwert besitzen, sprechen für diese produktionsbezogene Ausbildung.
Zwischen 1970 und 1976 wurde die Ausbildungskapazität um 50% vergrößert. Im Februar 1976 wurde die Leitung der bis dahin von einem deutschen Projektleiter geführte Ausbildungsstätte in srilankische Hände übergeben. Staatssekretär Kollatz vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit übergab das CGTTI an die Ministerpräsidentin, Frau Sirimavo Bandaranaike.
Um den Übergang nicht zu abrupt zu vollziehen, wurde von der GTZ eine Nachbetreuung vereinbart. Zunächst blieben zwei, später ein deutscher Berater zurück. Außerdem wurden mehrere Stipendien in Deutschland und die Lieferung von Ersatzteilen zugesagt.


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Die seit 1976 immer wieder ins Gespräch gebrachte Schulpartnerschaft hatte erst dann eine Chance, als der letzte deutsche Berater im Jahre 1984 abgezogen wurde. Hilfestellung kam vom Land Baden-Württemberg, wo man die vorgebrachten Zielvorstellungen unterstütze. Durch diese Partnerschaft sollte erreicht werden, dass durch direkte Kontakte der Schulen neue technische Entwicklungen auf dem Kfz-Sektor sowie auf dem Gebiet der Steuerungstechnik den Lehrkräften des CGTTI vermittelt werden. Dies war möglich durch Beantwortung von Fragen, Zusendung von technischen Informationsschriften, Lehrplänen, Fachbüchern etc. Besonders bewährt hat sich die Gewährung von dreiwöchigen Stipendien von jeweils zwei srilankischen Lehrern in Metzingen sowie die Durchführung von ca. zweiwöchigen Lehrerfortbildungs-Seminaren in Moratuwa durch mehrere Metzinger Lehrkräfte.

Außer Kfz-Mechanikern werden auch Kfz-Elektriker, Elektroinstallateure, Elektromechaniker, Schweißer, Schlosser und Zerspanungsmechaniker am CGTTI ausgebildet. Die Ausbildungszeit beträgt vier Jahre und schließt mit einer Abschlussprüfung ab, die etwa der deutschen Facharbeiterprüfung entspricht. Zur Zeit werden über 900 Vollzeitschüler am CGTTI unterrichtet.

Das Ceylon-German Technical Training Institute wurde als zentrale Ausbildungsstätte für Facharbeiter innerhalb der staatlichen Omnibusgesellschaft "Sri Lanka Central Transport Board" (SLCTB), die über dreißig Jahre lang das dominierende öffentliche Verkehrsunternehmen war und den größten Teil des Personenverkehrs auf der Insel durchführte, konzipiert. Durch die weitgehende Reprivatisierung des Omnibusverkehrs hat sich in den letzten Jahren die Lage gewandelt. Viele private Kleinunternehmer konkurrieren jetzt miteinander. Durch diese Veränderungen ist die Schulträgerschaft unsicher geworden, das CGTTI hat Finanzsorgen, die es durch produktive Reparaturarbeiten und Teilzeitkurse auszugleichen versucht.
Sichtbares Zeichen der engen Beziehungen zwischen dem CGTTI und der Gewerblichen Schule Metzingen ist eine lebendige Partnerschaft und eine starke Identifikation mit den Problemen einer Ausbildungsstätte in einem Land der Dritten Welt. Regelmäßig werden Berufsschullehrer aus Sri Lanka entweder in Metzingen fortgebildet, oder die Metzinger Lehrer bilden die einheimischen Kräfte an Ort und Stelle durch ein mehrwöchiges Seminar aus.

Die Schulpartnerschaft wird vom Ministerium für Kultus und Sport finanziell unterstützt. Neben Geräten, Lehrmitteln und Fachliteratur werden auch Reisekosten für die srilankischen und deutschen Lehrkräfte finanziert. Die gesamten Fortbildungsveranstaltungen werden ehrenamtlich und zum überwiegenden Teil während der Schulferien durchgeführt